Vortragende
4. Biologicum 2017


Prof. Dr. Kurt Kotrschal

Professor für Verhaltensbiologie, Universität Wien

Prof. Dr. Kurt Kotrschal
Prof. Dr. Kurt Kotrschal

Kurt M. Kotrschal, Mag. rer.nat., Prof. Dr., geboren 1953 in Linz, Studium der Biologie an der Universität Salzburg, dort auch 1981 Promotion und 1987 Habilitation; 1976-1981 Forschungsaufenthalte an den Universitäten Arizona und Colorado, USA, zur Evolution der Fische und zur Funktion von Sinnes - und Nervensystemen. Seit 1990 Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich (klf.univie.ac.at) und Professor am Department für Verhaltensbiologie, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien. Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (www.wolfscience.at), Leiter einer Arbeitsgruppe Mensch - Tierbeziehung an der Universität Wien (http://mensch-tier-beziehung.univie.ac.at). Forschung an hormonalen, kognitiven und energetischen Aspekten sozialer Organisation und an Mensch-Tierbeziehung. Mehr als 200 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften, Buchbeiträge und Bücher, darunter Österreichs Wissenschaftsbuch des Jahres 2013 (Wolf – Hund – Mensch. Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung. Wien: Brandstätter). Wissenschaftler des Jahres 2010; Kolumnist der Tageszeitung Die Presse. Seit 2014 wissenschaftlicher Leiter Biologicum Almtal.

"Wie Konkurrenz und Kooperation in die Welt kamen"

Kooperation und Konkurrenz sind per se weder gut, noch böse, es sind Strategien zur Wahrung des eigenen Vorteils und als solche keineswegs beschränkt auf den Menschen. Alle Organismen konkurrieren um begrenzte Ressourcen, Bakterien etwa um Nährstoffe, Pflanzen um Licht. Aber nicht alle Organismen arbeiten mit anderen zusammen, denn Kooperation ist evolutionär. In ihren Mechanismen und Funktionen sind sie komplexer gestrickt als Konkurrenz. Im Vortrag geht es um den Januskopf von Konkurrenz und Kooperation und warum etwa großhirnige Wesen, wie Menschen oder Wölfe, zutiefst von Kooperationsbereitschaft geprägt sind.


Prof. Dr. Redouan Bshary

Professor für Ethologie, Universität Neuchâtel, Schweiz

Prof. Dr. Redouan Bshary
Prof. Dr. Redouan Bshary

Redouan Bshary, Prof. Dr., geboren 1966 in Starnberg, Studium der Biologie an der Ludwig-Maximilian Universität München, dort auch 1995 Promotion (Forschung am MPI Seewiesen); 1995-2000 Postdoc am MPI Seewiesen; 2000 - 2003 Postdoc in Cambridge, UK; 2003 Lecturer in Liverpool. Seit 2004 Professor für Verhaltensökologie an der Universität Neuchâtel, momentan Dekan der wissenschaftlichen Fakultät. Forschung an innerartlichem und zwischenartlichem Sozialverhalten, insbesondere der Kooperation, vor allem an Fischen (aber auch an Menschen, Affen, Vögeln und Insekten). Anwendung von Spieltheorie unter Einbezug hormonaler und kognitiver Mechanismen. Etwa 140 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften und Fachbüchern. Ehemaliger Präsident der Ethologischen Gesellschaft.

"Unternehmer mit Biss - Markttheorie und Muster der Kooperation im Tierreich“

Studienobjekt sind Putzerlippfische im Indopazifik, kleine, bis zu 10 cm lange Fische, die die Parasiten auf der Haut anderer Riffische fressen. Sie haben kleine Territorien, sogenannte „Putzerstationen“, an denen sie pro Tag bis zu 2.000 mal von 100 bis 500 verschiedenen "Kunden" besucht werden. Was wie ein sehr harmonisches Geschäft erscheint – putzen für Futter – ist angereichert mit einem großen Problem: die Putzer mögen Parasiten nicht sonderlich, sondern würden lieber den Schutzschleim auf der Haut der Kunden fressen. Es gibt also einen Interessenskonflikt zwischen Putzer und Kunden darüber, was der Putzer fressen sollte. In der ökonomischen Terminologie gibt es einen Putzerfischmarkt, auf dem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Putzer konkurrieren untereinander um Zugang zur Laufkundschaft und sie können nur gewinnen, indem sie einen besseren Service anbieten als die Konkurrenten.


Karin Luger

Inhaberin und Geschäftsführerin ChangeStrategen, Zürich & Dornbirn

Karin Luger
Karin Luger

Karin Luger ist Organisationsberaterin und Trainerin mit folgenden Schwerpunkten: Strategie- und Organisationsentwicklung, Gestaltung von Veränderungsprozessen (Change Management), Gestaltung und Begleitung von Nachfolgeprozessen in Unternehmen, Konzeption und Unterstützung von Kooperationsprozessen und Projektmanagement. Sie ist Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zum Thema Projektmanagement.

In ihrem Workshop "Erfolgsfaktor Kooperation – Veränderungen und Übergänge in Familienunternehmen gestalten" gibt sie Impulse und Anregungen.


Prof. Dr. Friedrich Schneider

Professor für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz

Prof. Dr. Friedrich Schneider
Prof. Dr. Friedrich Schneider

Friedrich Schneider, o.Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult., ist seit 1986 Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz; von 1996 - 2007 war er Vizerektor für Außenbeziehungen der Johannes Kepler Universität. Er lehrte bereits an Universitäten in Europa, Amerika und Australien. In der Forschung befasst er sich mit der ökonomischen Theorie der Politik, Finanzwissenschaft, Wirtschafts-, Umwelt- und Agrarpolitik. Im Vordergrund stehen hierbei die Analyse staatlicher Aktivitäten und deren Konsequenzen auf das wirtschaftliche Geschehen.

„Schattenwirtschaft (Pfusch) - gesellschaftliches Schmarotzertum oder gesellschaftliche Kooperation?“

In diesem Vortrag werden zwei diametral verschiedene Aspekte der Schattenwirtschaft (des Pfusches) behandelt. Zum einen, inwieweit durch Schattenwirtschaft (den Pfusch) egoistisches, gesellschaftliches Verhalten dominiert, das auf Kosten der anderen, die "brav" Steuern zahlen, erbracht und auch individuell genützt wird. Auf der anderen Seite kann man Schattenwirtschaft auch als Teamwork/Zusammenarbeit sehen, so dass viele einen Wohlstand erreichen, den sie ohne Schattenwirtschaft nicht erreichen können und mit Hilfe von do-it-yourself Nachbarschaftshilfe schattenwirtschaftliche Leistungen erbracht werden.


Prof. Stefano Mancuso

Professor für Botanik, Universität Florenz

Prof. Stefano Mancuso
Prof. Stefano Mancuso © Ph.Filippo Milani

Stefano Mancuso, is the founder of plant neurobiology. He is professor at the University of Florence, fellow professor at Paris VII and University of Kitakyushu (Japan) and head of the Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale (LINV, www.linv.org) with sites in Italy, Japan and Mauritius. He is Editor in Chief of "Plant Signaling and Behavior" and co-founder of the “International Society for Plant Signalling and Behavior”. In 2010, he was the first Italian scientist invited to speak in a TED GLOBAL conference In 2012 he has been selected from the newspaper “La Repubblica” as one of the “20 people that will change our life”. In 2014 the New Yorker listed him among the “world changers”. In 2014 he co-founded PNAT (www.pnat.net) a start-up spin-of the University of Florence involved in producing technological solution inspired by the plants. One of the first product “Jellyfish Barge” has been presented at the Expò 2015 and won many awards among them the “International Award Innovative Ideas and Technologies on Agribusiness” and the “Ideas for Change Award” both from United Nations. He authored many scientific books and more than 250 papers. Among his recent books: “Verde Brillante” (Giunti Editore 2013) has been translated into 15 languages. “Uomini che amano le piante” (Giunti Editore 2014) and “Biodiversi” (Giunti Editore 2015) written with Carlo Petrini are in translation in all major languages. In 2013 “verde brillante” was awarded with the “National Award for Scientific Popularization”; in 2014 was awarded with the “Gambrinus Award”; in 2016 by the Wissenschaftsbuch des Jahres, awarded by the Federal Ministry of Science, Research and Economy of Austria.

„Plants as cognitive organisms“

We recognize all animals as familial for like us they have eyes and heart and brain and, despite huge differences in form, we are all just variations on a theme. A plant is "something else". Plants are not individuals; they are mostly networks. A single tree can be described as a colony of single modules. Actually, plants are made by cooperation. Fixed in place, lacking a face or single organs. To our human eyes, plants are either commodities or decorations. On the contrary, they are exquisitely complex organisms able to solve problems alone or in a cooperative way, to communicate, to memorize and learn, to have a social life. It's intelligence but not as we know it.


Prof. Dr. Monika Betzler

Professorin für Philosophie - Praktische Philosophie und Ethik, Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. Dr. Monika Betzler
Prof. Dr. Monika Betzler

Monika Betzler, M.A., MPA, Prof. Dr. phil., 1981-1988 Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Université Lyon II, Magister Artium 1988, Promotion zum Dr. phil. 1992 in München, 1994-1996 Studium an der Kennedy School of Government der Harvard University, MPA 1996, Habilitation 2005 in München. 1992-1993 Trainee und externe Expertin am Stab für prospektive Analysen der EU-Kommission in Brüssel, 1993-1994 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen; 1997-2002 wissenschaftliche Assistentin an der Universität Göttingen; wissenschaftliche Assistentin und Oberassistentin an der LMU München 2002-2006. Forschungsaufenthalte an der Harvard University (1996-97), der University of California at Berkeley (2002-2003) und der Tulane University (2012-2013). 2006-2015 Ordinaria für Praktische Philosophie an der Universität Bern. Seit 2015 Lehrstuhlinhaberin an der LMU München für Praktische Philosophie und Ethik. Seit 2012 gewähltes Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH); seit 2016 gewählte Sprecherin des Münchner Kompetenzzentrums Ethik (MKE). Forschungsschwerpunkte: Moralpsychologie, normative Ethik und Theorien praktischer Rationalität; u.a. zu Themen, wie Autonomie, Willensschwäche, Emotionen, Empathie, persönliche Projekte und Nahbeziehungen, Wohlergehen, Familienethik und ethische Theorien.

„Kooperation und Empathie“

Nicht nur die neurobiologischen Grundlagen und die entwicklungspsychologische Bedeutung von Empathie fanden in den letzten Jahren vermehrte Aufmerksamkeit. Empathie wurde auch zunehmend Gegenstand moralphilosophischer Debatten, scheint sie doch ein Vermögen zu sein, das Personen ermöglicht, sich auf andere zu beziehen und sie daher moralisch mit ihren eigenen Interessen zu berücksichtigen. Ist Empathie also die psychische Basis, die uns geneigt macht, moralisch und kooperativ zu sein? Sollte moralische Erziehung v.a. darauf abzielen, Kinder und Jugendliche empathiefähig zu machen und ihre Fähigkeit zur Empathie zu trainieren? Manche zeitgenössischen Philosophen halten Empathie sogar für den Kern der Moral. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass der Zusammenhang nicht so einfach zu fassen ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.


Stefan A. Sengl

Kommunikationsstratege, Politik-Coach, CEO Skills Group Wien

Stefan A. Sengl
Stefan A. Sengl © Sebastian Philipp

Stefan A. Sengl, geboren 1974 in Salzburg. Geschäftsführer und Partner von The Skills Group (www.skills.at), einer der führenden Kommunikationsagenturen Österreichs. Er berät große Konzerne ebenso wie junge Start-ups, Spitzenpolitiker und NGOs. Stefan A. Sengl war von 2006 bis 2012 Lektor am postgradualen Universitätslehrgang „Public Communication“ an der Universität Wien. 2010 leitete er die Kampagne zur Wiederwahl von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer. Er ist Autor des Buches „Wachstumsstrategien – Was Unternehmen von Pflanzen lernen können“ (Czernin Verlag).

Workshop: „Was Unternehmen von Pflanzen lernen können“

In seinem Workshop, "Wachstumsstrategien – Was Unternehmen von Pflanzen lernen können“, gibt Sengl Beispiele, wie Unternehmer mithilfe von Pflanzenstrategien einen neuen Blick auf die Möglichkeiten gewinnen können, unter den unterschiedlichsten Bedingungen erfolgreich zu sein.


Prof. Dr. Martin Kocher

Prof. Dr. Martin Kocher
Prof. Dr. Martin Kocher

Martin Georg Kocher (geb. 1973) ist Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Höhere Studien in Wien und Lehrstuhlinhaber an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Sein Werdegang beinhaltet Professuren und wissenschaftliche Stellen an der Universität von East Anglia, der Universität Amsterdam und der Universität Innsbruck, die ihm das Doktorat in Volkswirtschaftslehre verlieh. Er war darüber hinaus Dekan und Studiendekan in München. Die Forschung von Martin Kocher konzentriert sich auf die Bereiche Verhaltensökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung. Er interessiert sich für die Folgen von Unsicherheit und Versicherungen auf ökonomisches Entscheiden, für Kooperation und Vertrauen, für das ökonomische Verhalten von Kindern und Jugendlichen, für Auktionen, für die Nutzung verhaltensökonomischen Wissens im öffentlichen Bereich, und für moralisches Verhalten. Seine mehr als 50 wissenschaftlichen Artikel sind in den wichtigsten Fachzeitschriften publiziert, u.a. im American Economic Review, im Review of Economic Studies, in Management Science und im Economic Journal. Martin Kocher ist der verantwortliche Herausgeber des Journal of Economic Psychology, Direktor des interdisziplinären Entscheidungslabors MELESSA an der LMU München und ständiger Gastprofessor an der Universität Göteborg.

„Kooperation und Konflikt aus verhaltensökonomischer Perspektive“

Im Spannungsfeld zwischen Konflikt und Kooperation sind Situationen besonders spannend, in denen es individuell rational ist, nicht kooperativ zu sein, kollektiv aber alle von der Kooperation anderer profitieren – so genannte soziale Dilemmata. Dazu gehören zum Beispiel die Bereitstellung von öffentlichen Gütern, die Nutzung von begrenzten natürlichen Ressourcen, die Zusammenarbeit in Teams oder die Beteiligung an demokratischen Prozessen in großen Gruppen. Kooperation in Gruppen entsteht, wenn kooperative Individuen interagieren oder wenn informelle oder formelle Institutionen Kooperation durchsetzen. Aber Kooperation in Gruppen kann auch zu Konflikten führen. Je stärker die Gruppenidentität ist, desto wahrscheinlicher werden Konflikte und Auseinandersetzungen über Gruppen hinweg.


Moderation

Susanne Barta

Publizistin, Moderatorin und Coach

Susanne Barta
Susanne Barta © Nicolò Degiorgis

Geboren 1967 in Innsbruck, seit 1995 in Bozen ansässig. Studium der Rechtswissenschaften in Innsbruck und Wien; Master für Coaching und lösungsorientiertes Management in Wien. U.a. 15 Jahre Gestalterin und Moderatorin der wöchentlichen Radiokultursendung studio 3, Rai Südtirol.

www.susannebarta.com