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3. Biologicum Almtal
3. Biologicum Almtal
„Fressen und gefressen werden.“
6. bis 9. Oktober 2016

Grünau im Almtal
Veranstaltungszentrum des barocken Pfarrhofs

Für Sie haben wir hier das aktuelle Programm als pdf zum Download bereitgestellt.

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Die Vortragenden des diesjährigen Biologicum Almtal decken zentrale Themen unserer evolutionären und gegenwärtigen Beziehung zur Nahrung ab. Walter Arnold und Kurt Kotrschal behandeln die evolutionäre Geschichte und die biologische Anpassungen, Robert Pfaller den philosophischen Kontext und Herwig Grimm die ethischen Aspekte von Nahrungsproduktion und Essen. Karl Sigmund fokussiert aus dem Blickwinkel der Spieltheorie auf die menschliche Kooperationsbereitschaft und – last but not least – stellt Hannelore Daniel die Ernährung in das Spannungsfeld von Genuss, Convenience und Gesundheit. Für „praktische Übungen“ in Sachen Ernährung ist übrigens in den Pausen und im Zuge einiger Exkursionen gesorgt.

Einleitungstext von Univ. Prof. Dr. Kurt Kotrschal

„Fressen und gefressen werden.“

In einem evolutionären Rahmen soll es um den Nahrungserwerb, die Räuber-Beute-Beziehung und deren anatomische, physiologische, mentale, soziale und gesellschaftliche Folgen gehen.

Alle Tiere – auch wir Menschen – sind über mehr als 600 Mio Jahre in evolutionärem Kontext von „fressen und gefressen werden“. Es galt, Nahrung zu finden, Beute zu machen, ohne selbst zur Beute zu werden. So „schufen“ die Wölfe sowohl die Hirsche, als auch die Pferde, mit ihren langen Beinen und ihrer fluchtorientierten Sicht der Welt.
Nahrungserwerb und vermeiden von Fressfeinden spielten auch eine große Rolle bei der Entstehung des Menschen, etwa bei der Entwicklung unseres großen Gehirns, der extrem sozialen Orientierung, unserer Kooperationsbereitschaft. Vieles davon teilen wir mit anderen Tieren, im hohen Ausmaß etwa mit den Wölfen. Was verständlich macht, dass im Verlauf der letzten 35 000 Jahren die Hunde zu unseren engsten Tierkumpanen wurden.

Menschen wie Wölfe kooperieren beim Jagen, beim Aufziehen der Nachkommen und beim Verteidigen gegen „die Anderen“. Und das gemeinsame Mahl schafft Gemeinsamkeit, und sozialen Zusammenhalt. Man konkurriert allerdings auch um Nahrung, mit Artgenossen und mit anderen Tieren. Die Mechanismen dieser biologisch fundierten Kooperation und Konkurrenz sind uns in „Fleisch und Blut“ übergegangen. Sie sind daher ganz ähnlicher Form in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu finden, etwa auch in der Wirtschaft. Was wie verzehrt wird, hängt beim breiten Nahrungsgeneralisten Mensch weniger von seiner Physiologie ab, als von der Verfügbarkeit, von der sozialen Zugehörigkeit, und von den Traditionen. Essen dient nicht nur der Energiezufuhr, sondern in hohem Maß auch der Pflege von Allianzen und Freundschaften, der Selbstdarstellung, der Demonstration von Lebensstil, Status und Zugehörigkeit. Auch Trinken gehört zum Essen. So etwa war Alkohol eines der ersten sozialen und spirituellen „Schmiermittel“ der Menschheit.

Gegen diesen Hintergrund ist wenig verwunderlich, dass die bewusste Nahrungswahl beim Menschen stark von symbolischen Bedeutungen, Ethik und von sozialen Konstrukten ebenso bestimmt sein kann, als von gesundheitlichen Überlegungen. Ernährung wird in einer Zeit rascher gesellschaftlicher Fraktionierung in Subkulturen nicht selten sogar zu Lebensinhalt und Ersatzreligion. Der immer noch feststellbare Mainstream von Ernährungsgewohnheiten hängt wohl nicht nur mit den Familientraditionen und ethnischer Herkunft zusammen. Das Groß der Nahrungsversorgung wird heute von wenigen Supermarktketten bereitgestellt. Daher bestimmt deren Angebot wohl mehr als alles andere, was die Leute essen. Die Grenzen gestalten sich fließend, zwischen Genuss, Vernunft und fast zwanghafter Erfüllung von „Gesundheitspflicht“, zwischen der Nachhaltigkeitsideologie der Selbstversorger und der Abhängigkeit von den Fertigprodukten der Marken und Handelsketten.
Wir sind das evolutionäre Produkt von Räuber-Beutebeziehungen unserer sozialen Reaktion darauf. Wie wir sind, kann man heute auch daran ablesen, wie wir unsere Ernährung gestalten und mit Umwelt und Mitgeschöpfen umgehen. Man ist, was man isst, wie einst der Philosoph Ludwig Feuerbach meinte. Umgekehrt zeigt, was und wie man isst, aber auch, was man ist – oder sein möchte.



Text von Univ. Prof. Dr. Kurt Kotrschal
3. Biologicum Almtal
„Fressen und gefressen werden.“
6. bis 9. Oktober 2016

Grünau im Almtal
Veranstaltungszentrum des barocken Pfarrhofs
In Kooperation mit